Alltag mit Schizophrenie

Es klappt einfach nichts …

Wie ihr in meiner Krankheitsgeschichte vielleicht schon gelesen habt, sind in der Anfangsphase jegliche Versuche, die Schule weiterzumachen oder eine Ausbildung zu absolvieren, gescheitert. Mit diesem Beitrag möchte ich euch darüber etwas mehr erzählen und beschreiben, warum ich mein Abitur oder eine Ausbildung nicht geschafft habe. Ich habe es ingesamt bei vier verschieden Schulen und einer Ausbildungsstelle versucht. Eigentlich wäre ich sehr gerne zur Schule gegangen, aber meine Krankheit hat mich bei all diesen Versuchen daran gehindert.

Zunächst habe ich mich von meiner allerersten Schule abgemeldet, nachdem ich schon seit Wochen nicht regulär hingehen konnte. Als ich vom Sekretariat der Schule kam und ein letztes Mal über den Schulhof ging, begegnete ich einer Mitschülerin von mir. Wir kamen ins Gespräch und ich sagte ihr, dass ich auf eine andere Schule gehen werde. Sie fragte: „Wieso bleibst du nicht bei uns?“ Ich antwortete nicht, sondern ging einfach weiter, da ich nicht wirklich wusste, was ich antworten sollte.

Einige Zeit später versuchte ich mein Glück bei einem Gymnasium bei mir in der Nähe. Am ersten Tag traf ich Lea. Ein Mädchen, mit der ich vor einiger Zeit zusammen in einem Team Volleyball gespielt hatte. Sie war sehr überrascht als sie mich sah und fragte herzlich: „Hey, wie geht es dir?“ Ich sagte, dass es mir ok geht. Dann am zweiten Tag brachte mich meine Pflegemutter bis hin zum Klassenraum, damit sie sich vergewissern konnte, dass ich auch wirklich in der Schule bin. Es war der Biologieunterricht. Während des Unterrichts bemerkte ich, dass ich meine Sitzpartnerin kenne. Ihr Name war Jana. Sie war ebenfalls Teil der Volleyballmannschaft gewesen, in der ich gespielt hatte. In der Pause führte mich Jana in der Schule herum und zeigte mir alles. Eine Freundin von Jana fragte sie: „Was machst du da?“ Jana antwortete: „Ich zeige ihr alles.“ Da hatte ich das Gefühl, dass ich Jana aus ihrem Leben genommen habe, weil sie mich herumführt und nicht bei ihren Freundinnen ist. Solche irrealen Gedanken waren schon Teil der Erkrankung. Das wusste ich damals nur noch nicht. Obwohl ich in dieser Schule Bekanntschaften hatte, fühlte ich mich dort nicht wohl, was dazu führte, dass ich nicht mehr hinging und mich abmeldete.

Nach einiger Zeit Pause probierte ich es dann mal bei einer Gesamtschule. Ich hatte erstmal ein Gespräch mit dem Schuldirektor, der mir den Stundenplan gab und mit mitteilte, dass ich am Montag anfangen kann. Doch mir fehlte einfach der Wille und die Motivation, zu dieser Schule zu gehen. Also bin dort gar nicht erst aufgetaucht.

Der dritte Versuch, mein Abitur zu erreichen, war wieder an einem Gymnasium im Nachbarort. In dieser Schule fühlte ich mich überhaupt nicht in die Stufe integriert. Nach einigen Wochen war der Abisturm der höchsten Stufe. Auch in dem Bewusstsein, dass der Unterricht danach normal weitergehen sollte, nutze ich den Tumult, um mich unauffällig aus der Schule zu schleichen und nach Hause zu gehen. Denn ich hatte so ein Gefühl, dass ich unbedingt nach Hause will. Ein Schüler sah mich weggehen und fragte: „Warum gehst du schon?“ Wieder antwortete ich nicht, sondern ging einfach nach Hause. Als ich zu Hause war, empfing mich meine verärgerte Pflegemutter. Zuvor hatte der Schuldirektor bei ihr angerufen und gefragt, warum ich nicht in der Schule sei. Letztendlich lief es dann darauf hinaus, dass ich mich auch von dieser Schule wieder abmeldete.

Zuletzt besuchte ich noch ein weiteres Gymnasium. Als ich mit den anderen Schülern vor dem Klassenraum auf den Lehrer wartete, sprach mich ein Junge namens Oliver an. Er war im Gegensatz zu mir sehr offen und extrovertiert und fragte mich: „Hi, wie heißt du?“ Ich antwortete ganz leise: „Ich heiße Jessica“. Dann kam der Lehrer und unser Gespräch wurde unterbrochen. In der Pause war ich nicht bei den anderen Schülern, sondern alleine draußen vor der Schule, weil ich etwas Angst vor den Anderen hatte und lieber allein sein wollte. Eine Mitschülerin namens Katja sah, dass ich draußen alleine rumstand und kam zu mir her. Sie sagte: „Komm, wir gehen zusammen zu den Menschen.“ So ließ ich mich überreden und wir gingen in den Stufenraum. Einmal als ich eigentlich Deutschunterricht hätte, hielt ich mich alleine im Schulflur auf, weil ich nicht in den Unterricht wollte. Ich kann heute ehrlich gesagt gar nicht so erklären, warum ich damals nicht in den Deutschunterricht wollte. Es war einfach so ein negatives Gefühl, was mich davon abhielt. Felina, eine andere Mitschülerin gabelte mich auf und brachte mich in den Raum, wo der Deutschunterricht stattfand. Ich hatte den Eindruck, die Schüler seien etwas verwundert über mich. Oliver und ich schrieben bei Facebook miteinander. Er fragte mich, warum ich so schüchtern wäre, weil er mich noch nie viel sprechen gehört hat. Ich schrieb: „Ich bin eben neu und kenne noch niemanden.“ Daraufhin schrieb er: „Aber du kennst doch mich jetzt.“ Obwohl ich Oliver so gesehen als Freund betrachten konnte, fühlte ich mich immer noch ausgeschlossen in dieser Stufe. Im Biounterricht halluzinierte ich dann und hörte eine Stimme, die sagte: „Sie ist nun schon so lange bei uns und hat immer noch keine Freundin gefunden.“ Ein weiteres Mal hörte ich, wie jemand das Wort „Arsch“ vor meinen Nachnamen sagte. Zu dieser Zeit wusste ich jedoch nicht, dass es sich bei diesen Vorfällen um Halluzinationen handelt. Erst im Nachhinein wurde mir das bewusst. Ich dachte also, dass meine Mitschüler über mich lästern und das machte die ganze Sache nicht leichter.

Nach weiteren Misserfolgen gab ich es dann auf, irgendwie schulisch oder beruflich weiterzukommen. Um wenigstens etwas Gutes für meinen Lebenslauf zu haben, beschloss ich dann, den Bundesfreiwilligendienst auf der Insel Borkum zu machen.

 

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