Krankheitsgeschichte

Die Reise nach Borkum

Da ich beruflich nicht viel weitergekommen war, beschloss ich einen Bundesfreiwilligendienst auf der Insel Borkum zu machen. Es gab auch einige Stellen auf dem Festland, wo ich dieses freiwillige Jahr absolvieren konnte. Aber da ich sehr gerne am Strand und am Meer bin und ich die Stellen auf dem Festland irgendwie langweilig fand, habe ich mich für die Insel Borkum entschieden. Und so bewarb ich mich dann dort bei einer Klinik. Nach einiger Zeit teilte der Direktor der Klinik mir mit, dass ich angenommen und für den Empfangs- und Informationsdienst der Klinik eingeteilt wurde. Neben dem Bundesfreiwilligendienst wollte ich parallel in meinen freien Stunden mein Abitur in Form eines Fernabis nachholen. Mein Plan war, dass ich nach dem einen Jahr Bundesfreiwilligendienst auch mein Abitur in der Tasche habe und somit etwas studieren könnte. Ich hoffte einfach, dass ich durch dieses Fernabi beruflich Fuß fassen könnte und somit beruflich wieder auf einer gleichen Ebene wie andere in meinem Alter wäre. Damals ahnte ich jedoch noch nicht, dass sich dieses Vorhaben als eine große stressige Belastung für mich entpuppen würde. Ich meldete mich bei der Fernuni an und bekam kurze Zeit später schon das erste Lernmaterial.

Schließlich packte ich die Sachen für meine Reise. Da ich ja davon ausging, ein ganzen Jahr auf Borkum zu bleiben, waren mein Koffer und meine Reisetasche dementsprechend schwer. Auch deshalb, weil ich die Lehrbücher der Fernuni auch mitnehmen musste. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern und fuhr mit dem Zug zunächst nach Münster zu meiner Schwester. Denn ich musste erstmal zu dem Hauptbahnhof von Emden und von Münster aus fuhr ein Zug direkt dort hin. Meine Schwester begleitete mich zum Bahnhof und gab mir ein Foto von ihr mit auf dem sie mit einem Zettel zu sehen war auf dem stand: „Viel Spaß auf Borkum“. Dass dieses Foto in meinem Krankheitsverlauf noch eine Rolle spielen würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Danach stieg ich in den Zug und winkte meiner Schwester noch zum Abschied. Innerlich breitete sich ein mulmiges unsicheres Gefühl aus. Denn die Ungewissheit, was mich auf Borkum erwarten würde und ob ich meine Zukunftspläne in die Tat umsetzten könnte, machte mir zu schaffen. Fragen tummelten sich in meinem Kopf: Wird mir die Arbeit dort gefallen? Wie werden die Leute dort sein? Aber die größte Angst machte mir die Vorstellung davon, dass ich mich auf der Insel sehr einsam fühlen werde. Im Zug war es relativ voll, doch zu meinem Glück ergatterte ich mit meinen Schweren Koffern noch einen Sitzplatz. Gegenüber von mir saßen zwei ältere Damen und links neben mir eine junge Frau mit kurzen braunen Haaren und einer Brille. Sie telefonierte gerade mit ihrem Handy. Als sie ihr Gespräch beendet hatte, drehte sie ihren Kopf nachdenklich zu mir und fragte mich: „Kann es sein, dass du die Neue für den Bundesfreiwilligendienst auf Borkum bist?“ Ich antwortete sehr schüchtern und zurückhaltend: „Ja, das stimmt“. Die junge Frau stellte sich bei mir vor. Ihr Name war Nadine und sie machte in der Klinik, in der ich arbeiten würde, ein einjähriges Praktikum. Daher wusste sie, dass bald eine neue Bundesfreiwillige kommen würde. Sie sagte noch, dass ich mit ihr zusammen in einer WG leben werde. Mein Eindruck von ihr war relativ in Ordnung. Trotzdem blieb in mir eine Skepsis, ob ich mich auch mit ihr verstehen werde, wenn wir dann zusammen wohnen. Nach einiger Zeit erreichten wir dann den Hafen in Emden und fuhren mit einer Fähre weiter in Richtung Borkum.

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