Krankheitsgeschichte

Die große Liebe?

Nachdem Nadine und ich uns im Zug getroffen hatten, kamen wir schlussendlich auf Borkum an. Wir gingen nur etwa 10 Minuten, da erreichten wir auch schon die WG, in der wir gemeinsam wohnen würden. Ich konnte mir ein Zimmer aussuchen und wählte das größte von allen. Als ich meine Koffer ausgepackt und alle Sachen verstaut hatte, bin ich zu der Nordseeklinik gegangen, um mich dort als die neue Bufdi vorzustellen. Eine Mitarbeiterin namens Julia gab mir Anweisungen bezüglich meiner Arbeit und eine Essensmarke, mit der ich kostenlos in der Klinik essen konnte. Danach nutzen Nadine und ich die freie Zeit und gingen zum Strand. Wir gingen etwa 15 Minuten einen Strandweg entlang, dann blieben wir stehen. Nadine zeigte mit dem Finger in Richtung Norden und sagte dabei: „Wenn wir diesen Weg weitergehen würden, würden wir irgendwann die Seehundbucht erreichen.“ Da es aber draußen schon sehr dunkel war, kehrten wir um und gingen wieder nach Hause.

Am nächsten Tag begann für mich der erste Arbeitstag in der Klinik. Der Chef der Klinik, Herr Hausler, führte mich zunächst durch verschiedenen Abteilungen der Klinik. Die nächste Station war die Physiotherapie – und da sah ich ihn: einen Praktikanten namens Tim. Sofort musste ich ihn die ganze Zeit anstarren und konnte meine Augen gar nicht von ihm abwenden. Den Mitarbeiter, der neben ihm saß, und den Chef Herrn Hausler blendete ich völlig aus. Tim war mir auf Anhieb so sympathisch, wie ich es noch nie bei einem Mann erlebt habe. Ich hatte das Gefühl, dass es sich hierbei um Liebe auf den ersten Blick handelte. Als der Rundgang beendet war und ich Mittagspause hatte, konnte ich wieder nicht anders, als Tim beim Essen die ganze Zeit anzustarren. Er bemerkte das sehr schnell, doch er war im Gespräch mit einem anderen Mitarbeiter und schenkte mir noch keine Aufmerksamkeit. Im Laufe meiner Arbeit begegnete ich Tim in den Gängen der Nordseeklinik und wir flirteten miteinander. Denn dieses Mal sah mir Tim ebenfalls sehr intensiv und sexy in die Augen und gab mir so zu verstehen, dass auch er Interesse an mir hatte. Ich war so von ihm eingenommen, dass ich meine Mitbewohnerin Nadine über Tim ausfragte, beispielsweise wie alt er ist.

Eines Tages kam Tim dann zu mir in den Empfangsbereich, wo ich arbeitete. Er kam sehr nah an mich heran und fragte mich, ob ich ihm bei etwas behilflich sein kann. Ich habe mich in seiner Nähe sehr wohl gefühlt und sie genossen. Doch dann sagte meine Kollegin Julia zu ihm: „Sie kann dir dabei noch nicht helfen, du musst damit zu mir kommen.“ Tim wich also wieder von meiner Seite. Dann einmal war es so, dass ich am Empfang einige Sachen sortieren musste und dabei nach unten schaute. Als ich dann kurz meinen Kopf hob, sah ich Tim, wie er angewurzelt auf einer Stelle stand und mich mit verträumten Augen ansah.

Um ihm zu gefallen, zog ich mir meine schönsten Klamotten an, schminkte mich und machte meine Haare schön. Bei der Essenausgabe kam Tim sofort zu mir, als er mich sah und fragte mich, ob ich mich schon eingelebt habe. Ich antwortete: „Ja, es geht so“. Während wir miteinander sprachen, brüstete er sich vor mir und seine Augen leuchteten regelrecht. Als wir uns das nächste mal im Gang trafen, fragte Tim mich, woher ich komme. Kurz nach meiner Antwort jedoch wandte er sich wieder von mir ab, was mich sehr verunsicherte. Auch hatte ich das Gefühl, dass er bei diesem Gespräch etwas befangen wirkte. Wahrscheinlich deswegen, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits eine Freundin hatte. Davon hatte ich allerdings zu dieser Zeit noch keine Ahnung. Ich begann mich sehr stark nach Tim zu sehnen, wenn er nicht in meiner Nähe war und konnte mich an jeden Kontakt, den ich mit Tim hatte, genauestens erinnern. Also war ich fest davon überzeugt, dass ich mich in Tim verliebt hatte. Deswegen rätselte ich hin und her, ob Tim auch in mich verliebt sein könnte. Ich versuchte, sein Verhalten zu analysieren und eigentlich sprach vieles dafür, dass er auch etwas für mich empfand. Welche Rolle Tim im späteren Verlauf meiner Krankheit spielen würde, konnte ich damals noch nicht ahnen.

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