Alltag mit Schizophrenie

Psychologin gesucht!

Bei einer psychischen Erkrankung wie Schizophrenie ist eine Therapie bei einer Psychologin oder einem Psychologen häufig erforderlich, um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und zu lernen, mit bestimmten Symptomen der Krankheit besser umzugehen. Allerdings ist es sehr schwierig, erstmal einen geeigneten Therapeuten zu finden.

Die Ärzte in der Klinik haben mir empfohlen, eine Verhaltenstherapie und keine tiefenpsychologische Therapie anzufangen. (Die Apothekenumschau bietet einen Überblick über die verschiedenen Formen der Psychotherapie.) Zunächst einmal habe ich eine Liste von allen Psychologen und deren Telefonnummern in meiner näheren Umgebung erstellt. Ich dachte, da diese Liste sehr lang sei, gäbe es bestimmt viele, die einen Therapieplatz frei haben. Doch dem war nicht so. Im Gegenteil: Als ich die Psychologen abklapperte, war die häufigste Antwort: „Unsere Therapieplätze sind zurzeit alle belegt. Sie können sich aber auf die Warteliste setzten lassen. Die Wartezeit beträgt ca. 6-12 Monate.“ Ich war völlig aufgelöst, weil ich sofort eine Therapie benötigte und nicht sechs Monate warten konnte. Trotzdem ließ ich mich auf die ganzen Wartelisten setzten, um überhaupt einen Platz zu bekommen.

Dann habe ich beschlossen, den Umkreis zu erweitern und kam so auf eine Praxis in Dortmund, zu der ich persönlich hingehen sollte. Als ich aber dort war, erklärte mir die Sprechstundenhilfe, dass dort ausschließlich Gruppentherapien angeboten werden. Wieder kein Glück, denn ich wollte auf jeden Fall eine Einzeltherapie, da ich teilweise sehr intime Dinge erlebt habe, die ich verarbeiten wollte.

Einige Zeit später stieß ich auf einen Psychologen bei mir in der Nähe, der noch nicht auf meiner Liste stand. Ich bekam dort einen Termin, doch wurde wieder enttäuscht: Denn als ich dort ankam sagte man mir, dass der Psychologe gerade einen Notfall habe. Er ist nämlich nicht nur Psychologe, sondern auch Neurologe und Psychiater. Heulend verließ ich die Praxis, weil ich einfach so viel Redebedarf hatte und mit niemanden reden konnte. Nach etwa einer Woche sollte ich nochmal in der Praxis erscheinen und dieses Mal kam es auch zum Gespräch mit dem Psychologen. Doch ich merkte während unserer Unterhaltung, dass ich mit diesem Therapeuten nicht klarkommen würde, da er mir zu esoterisch war. Er sagte nämlich sowas wie: „Die menschliche Seele ist unsterblich und man muss hinaus aus der Depression und hinein ins Licht und in die Liebe“. Das war mir dann doch zu viel des Guten.

Also setze ich meine Suche fort und fand zwei Psychologen in meiner Nähe, die einen Platz frei hatten. Die erste war eine Frau. Im Erstgespräch war sie mir sofort sympathisch und ich konnte mir vorstellen, bei ihr eine Therapie anzufangen. Doch dann sagte sie mir, dass sie eigentlich nur tiefenpsychologische Therapien und keine Verhaltenstherapien mache. Ich war wieder mal enttäuscht. Da hatte ich schon eine gute Therapeutin gefunden und dann sowas! Sie sagte aber noch, dass wenn ich woanders überhaupt nichts finden würde, ich sie nochmal kontaktieren könne.

So traf ich mich dann mit dem letzten Psychologen, den ich in meiner Umgebung gefunden hatte. Das Gute: Er machte definitiv Verhaltenstherapien, was mir die Ärzte ja auch empfohlen hatten. Das Schlechte: Ich habe mich bei ihm einfach nicht wohl gefühlt. Es war einfach seine Art, die mir nicht gefallen hatte .Wenn man wirklich eine erfolgreiche Therapie haben möchte, sollte die Chemie zwischen Therapeut und Patient stimmen, dachte ich. Und das war hier wirklich nicht der Fall.

Nun blieb mir nichts anderes übrig als mich nochmal bei der Psychologin zu melden. Ich schilderte ihr die Situation und erzählte ihr, wie dringend ich eine Therapie benötigen würde. Zu meiner Erleichterung teilte sie mir mit, dass sie mich aufnehmen würde und ausnahmsweise mit mir eine Verhaltenstherapie durchführen wolle. Vorher aber sollte ich eine Liste erstellen von Psychologen, bei denen ich definitiv keine Therapie anfangen könne. Dazu sollte ich schreiben, warum und gegebenenfalls die Wartezeiten angeben. Folglich rief ich nochmal bei 10 verschiedenen Praxen an und notierte mir die Wartezeiten bzw. den Grund, warum ich dort nicht aufgenommen werden konnten. Als ich diese Liste fertigstellt und weitergeschickt hatte, bekam ich endlich die Benachrichtigung, dass meine Therapie starten kann. Nach dieser ganzen mühseligen Suche war ich so erleichtert, dass ich endlich eine Gesprächstherapie haben konnte. Und diese war auch dringend notwendig.

An alle, die vielleicht auch gerade einen Therapieplatz suchen: Lasst euch von diesem blöden System nicht abschrecken, sondern bleibt hartnäckig am Ball. Es lohnt sich. Denn so eine Therapie ist, wie ich es selbst erlebt habe, bei einer psychischen Erkrankung enorm hilfreich.

 

 

 

 

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