Gedankenwelt

Ich werde nicht schreien

Ich denke daran, wie meine Schwester Sport machen kann und ich nicht, weil mein Körper durch die Krankheit zu geschwächt ist. Ich höre das Lied „In Your Eyes“ von Inna in meinem Kopf. Ich bekomme Depressionen und habe das Gefühl, dass ich nichts Positives mehr erlebe. In meinem Kopf höre ich ein Lied aus der Serie „Spongebob“. In diesem Lied singt eine Stimme durchgehend „Lalala“. Mit dieser Krankheit führe ich ein ganz anderes Leben als andere 22-jährige. Die meisten in meinem Alter studieren, machen Party und kosten ihr junges Leben aus.

Ich höre das Lied „Moments Like This“ von Rea Garvey in meinem Kopf. Ich denke an einen Jungen aus meiner Kindergartengruppe, der am gleichen Berufskolleg wie ich war.  Dann denke ich an eine Szene aus dem Kindergarten, die mein Vater gefilmt hatte. In der Szene sagte der Junge aus Spaß, dass er mich geküsst hätte. Ich überlege, was aus ihm geworden ist und was aus mir geworden ist. Er kann dank seiner Ausbildung beruflich Fuß fassen und ich nicht, da ich die Ausbildung aufgrund meiner Krankheit abbrechen musste.

Die Stimme sagt: „Schreien wirst du“. In mir kommt dadurch der Gedanke hoch, dass meine Krankheit so schlimm wird, dass ich schreien muss. Aber dann fällt mir ein: Selbst wenn die Krankheit schlimm wird, würde ich trotzdem nicht schreien. Denn ich habe in der zweiten Psychose so viel Schlimmes erlebt und mich gequält gefühlt, aber ich habe dennoch deswegen nicht geschrien.

Ich höre das Intro von der Kinderserie „Hanni und Nanni“ in meinem Kopf. Diese Serie habe ich in meiner Kindheit geschaut. Bei dem Intro denke ich an mich und meine Schwester, weil wir als Kinder zusammen dieses Intro nachgespielt haben. Durch mein Zimmerfenster sehe ich Leute mit einer portablen Stereoanlage die Straße entlanggehen. Aus der Stereoanlage ertönt das Lied „Wahnsinn“ von Wolfgang Petry. Dies löst in mir den Gedanken aus, wie gesunde Menschen lebensfroh ihr Leben leben – während ich krank bin. Zum Beispiel meine Schwester oder meine Cousine. Ich höre den Satz: „Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle“.

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