Krankheitsgeschichte

Dämonen vertreiben

Nachdem ich vom Strand zurück in der WG angekommen war, wusste ich nun nicht mehr so genau, ob Tim immer noch bei mir ist. Meine Mitbewohnerin Nadine kam aus ihrem Zimmer und fing an, mich lautstark zur Schnecke zu machen. Völlig aufgebracht fragte sie mich, warum ich das Bad so schmutzig hinterlassen habe und warum ich mir ohne ihre Erlaubnis etwas von ihrem Essen genommen hätte. In diesem Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Doch ich wusste etwas anderes: Nadine ist ein Dämon, der mein Feind ist und die Aufgabe hat, mich als Engel fertig zu machen. Natürlich war dem nicht so, aber ich war fest davon überzeugt. Ich ignorierte sie, kehrte wieder zurück in mein Zimmer und schloss die Tür.

Am nächsten Tag ging ich wieder zu meiner Arbeit in der Nordseeklinik, obwohl ich ja dachte, dass dies nicht die richtige Welt ist, sondern eine Welt von Gott, in der Engel und Dämonen leben. Allerdings glaubte ich, dass es als Engel meine Aufgabe wäre, dort zu arbeiten und ich dadurch mehr über das Leben eines Engels erfahren würde. Wie jeden morgen holte ich mir zunächst mein Frühstück bei der Essensausgabe ab. Dann setzte ich mich an einen Tisch und begann zu frühstücken. Doch ich merkte, dass dieses Mal etwas anders war als sonst. Das Frühstück hatte einen viel intensiveren und leckereren Geschmack als sonst. Es schmeckte nahezu herrlich, man könnte sagen himmlisch. Nun glaubte ich, dass dieser himmlische Geschmack daher kommt,dass ich ein Engel bin. Ich dachte, dass ich so erfahren sollte, dass alle Engel auf diese Weise essen.

Nach der Arbeit ging ich zum Strand und setzte mich dort auf eine Bank. Kurze Zeit später versammelten sich mehrere Tauben in der Nähe der Bank. Sie waren alle dunkel bis auf eine Taube, die war weiß. Ich glaubte, dass die dunklen Tauben Dämonen seien und dass die weiße Taube Jesus sei, der mir Gesellschaft leisten wolle. Daraufhin ging ich zu einem Spielplatz der sich am Strand befand. Dort gab es eine große, runde Schaukel und ich setzte mich dort hinein. Es vergingen einige Minuten, da kamen zwei Kindergärtnerinnen mit einer Gruppe Kleinkinder vorbei. Eine Kindergärtnerin sagte zu mir, dass ein paar Kinder auch auf die Schaukel wollen, auf der ich mich gerade befand. Ich sagte, dass sie warten sollen bis ich fertig mit schaukeln bin. Aber die Kindergärtnerinnen setzten die Kinder einfach zu mir auf die Schaukel und sofort fühlte ich mich von diesen Kindern bedroht. Ich glaubte, sie seinen Dämonen, die mich von dieser Schaukel vertreiben wollen. Also klammerte ich mich mit aller Kraft an die Schaukel und wollte den Dämonen so zeigen, dass ich wie ein Fels in der Brandung bin und sie mich nicht so leicht loswerden. Und ich dachte, dass es als Engel meine Aufgabe bzw. Lektion sei, nicht nur auf der Schaukel zu bleiben, sondern diese Dämonen in Kindergestalten zu bekämpfen. Also beförderte ich die Kinder, ohne, dass eins verletzt wurde, zurück auf den Boden. Die Kindergärtnerinnen riefen sofort die Polizei und ich dachte, dass meine Aufgabe nun erfolgreich ausgeführt sei. Also verließ ich den Spielplatz. Doch ein Polizist kam und fasste mich mit Gewalt. Ich fühlte mich in diesem Moment sehr hilflos und fing an zu weinen, da der Polizist sehr grob war. An das Gespräch mit dem Polizisten kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Ich weiß aber, dass er mich schlussendlich nur verwarnte und mich dann wieder laufen lies.

Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Ich bekam Depressionen und fühlte mich so schlecht, dass ich den Drang hatte, mich im Meer zu ertränken. Ich ging bis zum Anfang des Wassers, zögerte und blieb dort stehen.

 

 

 

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