Symptome

Vom Tod verfolgt

Mit meiner zweiten Psychose begann ein neues Symptom, welches bis heute anhält: Ich muss sehr häufig an den Tod denken und ich verbinde verschiedene Dinge mit ihm. In den meisten Fällen spüre ich ein sehr unangenehmes Gefühl, wenn ich an den Tod denke. Ich habe dann den Eindruck, dass er sich so anfühlen muss. Ich verbinde dieses Gefühl automatisch mit dem Tod. Manchmal kann ich gar nicht mehr unterscheiden ob ich aufgrund meiner Krankheit daran denken muss oder ob ich es unabhängig von meiner Krankheit mache. Zudem kommt, dass ich nicht nur generell an den Tod denke, sondern sowohl an meinen eigenen als auch an den meiner Familienmitglieder oder anderer Menschen. Die Tatsache, dass ich oft an den Tod meiner Familienmitglieder denken muss, belastet mich sehr. Dann denke ich, dass ich höchstwahrscheinlich öfter darüber nachdenke, als meine Familienmitglieder selbst.

Zudem muss ich mir manchmal vorstellen wie meine Leiche oder die Leiche anderer Menschen unter der Erde verwest und von Maden gefressen wird. Ich bekomme auch den Gedanken, dass Menschen im hohen Alter häufiger an den Tod denken, als junge Menschen, weil sie dem Tod näher sind. Oft muss ich mir Gedanken darüber machen, wie es ist, kurz bevor ich sterbe bzw. ob etwas nach dem Tod passiert. In einigen Situationen kommt es mir auch so vor, als würden die Menschen in meinem Umfeld im Sterbebett liegen.

Hier sind einige Beispiele, die ich mit dem Tod verbinde bzw. bei denen ich an den Tod denken muss. Manchmal verstehe ich selbst nicht, wie diese Verbindung zustande kommt. Ich verbinde den Tod damit, dass Menschen ihr Leben auskosten, da es ja begrenzt ist. Ich verbinde den Tod damit, dass man älter wird. Wenn ich alte Menschen sehe, denke ich an den Tod, weil sie ja nicht mehr lange leben. Des Weiteren denke ich an den Tod, wenn ich Filme sehe, bei denen die Schauspieler bereits gestorben sind. Zum Beispiel bei der Sissi-Trilogie. Während ich diese Filme sehe, muss ich bis zu zehn Mal an den Tod denken. Dabei verbinde ich auch mit den Haaren der Schauspieler ebenfalls den Tod. Ich verbinde mein Leben mit dem Tod. Bei der Serie Detektiv Conan denke ich an den Tod, weil es dabei um Mordfälle geht. Aber auch bei Dingen, die gar nichts mit dem Tod zu tun haben, denke ich an den daran. Beispielsweise denke ich an den Tod, wenn ich Models in einem Modekatalog sehe. Ich denke an den Tod meiner Lieblingssängerin Inna. Ich verbinde den Tod mit einer Modenschau meines Onkels. Ich sehe wie eine Seifenblase zerplatzt und denke dabei an den Tod, weil die Seifenblase nicht mehr existiert. Ich verbinde den Tod auch mit einigen Kindheitserinnerungen. Beispielsweise die goldene Hochzeit meiner Oma.

Ich habe Gedanken, dass der Tod gegenwärtig ist. Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn man während einer Operation stirbt und so gar nicht mitbekommt, dass man stirbt. Es gab mal eine Situation, in der ich mich versprochen habe und darüber lachen musste. Dann dachte ich an einen Mann aus einem Film, der gelacht hat. Dieser Mann ist bereits gestorben. Und so verbinde ich den Tod auch mit Lachen.

Weil ich so oft mit diesem Thema konfrontiert werde, versuche ich manchmal, es zu verdrängen. Allerdings habe ich dann das Gefühl, dass mir gar nicht mehr bewusst ist, dass ich ja wirklich sterben werde. Mir kommt es vor, als würde ich so leben, als sei ich unsterblich.

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