Alltag mit Schizophrenie

Papierkrieg

In diesem Beitrag möchte ich euch erzählen, welche finanziellen Schwierigkeiten mit dem Jobcenter sich für mich als psychisch erkrankter Mensch ergeben haben.

Wie ihr vielleicht schon aus einem meiner Beiträge erfahren habt, habe ich in letzter Zeit viele Vorträge über meine Krankheit an verschiedenen Unis gehalten. In einigen Fällen habe ich für diese Vorträge auch ein Honorar erhalten. Dieses fiel mal größer und mal kleiner aus. Zunächst war ich in dem Glauben, dass ich das Geld von den Unis sozusagen als Taschengeld behalten dürfte. Doch dann erfuhr ich, dass das Geld, was ich verdient habe, beim Jobcenter angerechnet wird, von dem ich zurzeit Leistungen beziehe. Also wird mir für mein verdientes Geld ein bestimmter Betrag abgezogen. Diese Nachricht war für mich natürlich blöd, da ich mich gefreut hatte, durch die Vorträge etwas Taschengeld zur Verfügung zu haben.

Und damit fing das Chaos an: Das Jobcenter verlangte für jedes Honorar eine Bescheinigung über die Höhe sowie meiner Reisekosten und zusätzlich einen Kontoauszug, der belegen soll, dass das Geld wirklich auf mein Konto eingegangen ist. So fing ich dann mühselig damit an, die Unis abzuklappern und Bescheinigungen anzufordern. Mit der Zeit häuften sich so bei mir einige Papiere an. Das Problem bei den Reisekosten war, dass ich die Originaltickets teilweise nicht mehr vollständig besaß und somit nicht eindeutig belegen konnte, wie hoch die Reisekosten ausgefallen sind. Diese wurden bei der Verrechnung dann nicht berücksichtigt. Ein weiteres Problem war, dass die Unis das Geld teilweise erst sehr viel später, nachdem ich die Bescheinigung erhalten habe, auf mein Konto überwiesen haben. Daraufhin bekam ich Schreiben vom Jobcenter, in denen ich aufgefordert wurde, die fehlenden Kontoauszüge nachzureichen. Zudem wollte das Jobcenter die Kontoauszüge unmittelbar, nachdem das Geld auf meinem Konto eingegangen war. Natürlich wusste ich nicht genau an welchem Tag genau, das Geld der Unis auf meinem Konto sein würde. Und da ich aufgrund dessen einen Kontoauszug erst sehr viel später eingereicht hatte, informierte mich ein Schreiben des Jobcenters wegen eines Bußgeldverfahrens. So musste ich dann ein Bußgeld in Höhe von 35 Euro bezahlen, was meiner Meinung nach total unangemessen gewesen ist. Wenn es nach dem Jobcenter ginge, hätte ich wahrscheinlich jeden Tag meinen Kontostand abfragen müssen, um den Kontoauszug rechtzeitig einzureichen.

All die Arbeit, die ich wegen des Jobcenters habe, ist für mich als psychisch erkrankter Mensch sehr aufwändig und es hat mir etwas die Freude an meinen Vorträgen genommen. Ich finde es grundsätzlich nicht ok, dass das Jobcenter jemandem, der sowie schon durch eine Krankheit belastet wird, noch zusätzlich das Leben schwer macht. Denn die Vorträge haben mir sehr gut getan, doch wenn ich daran denke, dass diese mit diesem Aufwand verbunden sind, kann mir das auch die Motivation nehmen, weiterhin Vorträge zu halten. Und das finde ich sehr schade. Das Jobcenter sollte psychisch erkrankten Menschen vielmehr entgegenkommen.

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