Krankheitsgeschichte

Teuflische Sonne

Am nächsten Tag wurde ich in einen anderen Bereich der Nordseeklinik versetzt. Ich kam vom Empfangs- und Informationsdienst in die Büroabteilung. In Wirklichkeit war es so, dass ich versetzt wurde, weil die Mitarbeiter merkten, dass ich nicht mehr für den Empfang geeignet bin und sie nichts mit mir anzufangen wussten. Doch ich glaubte, dass sie mich auf eine Art befördern würden, weil ich meine Arbeit so gut mache und sie mir deswegen nach und nach die ganzen Bereiche der Klinik zeigen wollen.

Im Büro arbeitete ich mit einer Mitarbeiterin zusammen, die rote lockige Haare hatte. Das Büro hatte ein großes Fenster, wodurch man draußen den Himmel und die Sonne gut sehen konnte. Während die Mitarbeiterin mir die Arbeit erklärte sah ich durch das Fenster die Sonne an und glaubte dann, dass sich der Teufel gerade in der Sonne befindet bzw. in der Sonne lebt und nur manchmal eine andere Gestalt annimmt. Ich hatte auch den Eindruck, dass das Sonnenlicht mir schadet und es auf mich abgesehen hat. Danach sah ich, wie die Mitarbeiterin mit den roten Haaren mehrfach ihren Kopf zu mir drehte und mich dabei böse anguckte. Im Nachhinein kann ich nicht genau sagen, ob dies eine Halluzination war oder ob sie es wirklich so getan hatte. Jedenfalls glaubte ich, dass der Teufel nun in die Gestalt dieser Mitarbeiterin gefahren ist und mich auf meine Sünden aufmerksam machen wollte. Denn als ich kleiner war, habe ich manchmal meine Mutter auf diese Weise angeguckt, wenn ich auf sie sauer war.

Abends in der WG legte ich mich ins Bett und konnte nicht schlafen. Die Stimme in meinem Kopf sprach nahezu ununterbrochen. Obwohl es eigentlich nur eine Stimme war, glaubte ich, es seien zwei gewesen. Ich weiß noch, dass die Stimme etwas über Erzengel sagte. An mehr kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich konnte mir diese Stimme einfach nicht erklären und war sehr verunsichert und verängstigt durch sie, da sie so präsent war. Um mich abzulenken nahm ich mein Notizbuch und fing an darin zu zeichnen. Ich zeichnete beispielsweise das Zimmer, indem ich mich befand. Zwischenzeitlich war ich der Ansicht, dass ich kein gewöhnlicher Engel, sondern ein Erzengel bin, da die Stimme ja etwas über Erzengel erzählte. In meinem Notizbuch fing ich dann ein Brainstorming zu dem Thema Erz an, um den Begriff Erzengel besser zu verstehen, doch ich bin nicht weit gekommen.

Im späteren Verlauf des Abends ließ die Stimme etwas nach. Ich versuchte zu schlafen aber ich bekam sehr starke Schweißausbrüche. Meine ganzer Körper war nahezu klatschnass. Mein Schweiß lockte einige Mücken an, die mich stachen und mir sehr zu schaffen machten. Ich hielt diese Mücken für Dämonen, die mich angreifen wollen. Also tötete ich einige der Mücken. Als ich ihr Blut an der Wand sah, glaubte ich, dass dies dämonisches Blut sein muss.

Mein Zustand verschlechterte sich. Ich fühlte mich so schlecht, dass ich beschloss, in ein Krankenhaus zu gehen – noch an diesem Abend. Doch wo auf dieser Insel gibt es bloß ein Krankenhaus, dachte ich. Aber egal, ich wollte einfach nur in ein Krankenhaus und irgendwie würde ich es schon finden. Also machte ich mich mitten in der Nacht auf den Weg nach draußen.

Ein Gedanke zu „Teuflische Sonne“

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