Krankheitsgeschichte

Der Weg in die Psychiatrie

Aufgrund meines gesundheitlichen Zustandes war der Chef der Nordseeklinik der Ansicht, dass ich nicht mehr für den Bundesfreiwilligendienst geeignet sei. Folglich kam er mit einem weiteren Mitarbeiter zu mir in die WG und teilte mir mit, dass mein Bundesfreiwilligendienst nun beendet sei und ich nach Hause fahren soll. Ich hielt die beiden jedoch für Dämonen, die mich von der Insel vertreiben wollen. Denn ich dachte, dass es für mich als Engel die Mission wäre, erstmal dort zu bleiben. Entgegen dem Willen des Chefs packte ich meine Sachen nicht. Stattdessen wollte ich draußen übernachten, da ich ja nicht mehr in der Wohnung sein durfte. Ich richtete mir im Vorgarten der WG ein Bett ein und dachte, dass ich für meine Mission und für Jesus draußen übernachten müsse. Ich fing an, mich äußerlich gehen zu lassen. Ich trug dreckige Kleidung, duschte nicht mehr und hatte dementsprechend zerzauste und fettige Haare. In diesem verwahrlosten Zustand irrte ich dann auf der Insel herum.

Die Mitarbeiter der Nordseeklinik bemerkten, dass mit mir etwas nicht stimmt. Mehrere von Ihnen kamen zu mir und wollten fragen, was los ist und mich zur Vernunft bringen. Doch ich vertraute Ihnen nicht, weil ich sie alle für Dämonen hielt. Deswegen rannte ich vor ihnen weg. Ich setzte mich schließlich auf eine Bank in der Nähe des Strandes. Irgendwann bemerkte ich, dass sich neben mich eine Frau setzte. Sie sah von ihrer Erscheinung her sehr schön, freundlich und vertrauenswürdig aus. Ihre Kleidung war dezent aber sehr schön. Ich glaubte, dass diese Person ein Engel sein muss. In Wirklichkeit war sie ebenfalls eine Mitarbeiterin der Nordseeklinik, die versuchen wollte, an mich heranzukommen. Sie fragte mich, wie es mir ginge und was mich beschäftigte. Ich sagte, dass ich nicht weiß wie es mit mir weitergehen soll und ich mit dieser Ungewissheit lebe. Denn ich wusste nicht, was ich als Engel als nächstes tun sollte bzw. wie meine Mission aussieht.

Die Mitarbeiterin hieß Carola. Sie hörte mir geduldig zu und nahm mich dann mit in ein ruhiges Zimmer in der Nordseeklinik. Da ich sie für einen Engel hielt, wehrte ich mich nicht dagegen. Sie gab mir ein Glas Wasser zu trinken und sorgte dann dafür, dass ich in eine Klinik aufs Festland gebracht wurde. Der Arzt mit dem ich dort gesprochen hatte bemerkte nicht, dass ich mich schon mitten in einer Psychose befand und er schätze meinen derzeitigen Zustand als nicht so kritisch ein. Und da ich nicht in der Klinik bleiben wollte, ließen sie mich gehen. Ich fuhr dann von der Klinik im psychotischen Zustand alleine mit dem Zug zu meiner Schwester nach Münster. Zu diesem Zeitpunkt lebte meine Schwester mit einem Mitbewohner, der Anton hieß, in einer WG. Ihr Freund Jan war auch dort, als ich eintraf. Zunächst bemerkten sie nicht, dass etwas mit mir nicht stimmt. Ich übernachtete bei Ihnen auf einem Sofa und war im Glauben, dass meine Schwester und Jan Dämonen wären und die Fähigkeit besitzen, durch Wände zu gucken. Dem Mitbewohner Anton habe ich erstmal keine Bedeutung zugemessen.

Als ich dann nachts auf dem Sofa lag, halluzinierte ich und hörte eine Stimme die sagte: „Guck mal wie sie da liegt“. Ich glaubte, dass diesen Satz meine Schwester und Jan sagten, da ich annahm, dass sie durch die Wand geguckt haben und gesehen haben, in was für einer Position ich da gelegen habe. Während ich da auf dem Sofa lag glaubte ich auch, dass der Teufel von mir Besitz ergriffen hätte. Am nächsten Tag realisierte auch meine Schwester, dass irgendwas mit mir los war. Sie wollte mich in eine Klinik in Münster bringen. Ich wehrte mich dagegen, weil ich sie ja für einen Dämon hielt und wollte aus dem Fenster abhauen. Jan hielt mich dann mit Gewalt davon ab. Dann kam Anton auf mich zu. Aus irgendeinem Grund glaubte ich, dass Tim in diesem Mitbewohner lebt. Er riet mir ebenfalls in eine Klinik zu gehen. Und ich vertraute ihm, da ich dachte, Tim würde mir diesen Rat geben. So brachten sie mich dann gemeinsam auf eine offene Station einer Psychiatrie in Münster. Ich dachte, dass Gott mich und Tim dort irgendwie zusammenführen würde.

Es ist sehr wichtig, gerade für Angehörige, dass man erkennt, wenn sich der Betroffene in einer Krisensituation befindet und dann auch rechtzeitig handelt, auch wenn der Betroffene sich dagegen wehrt. Man sollte in so einer Situation auf jeden Fall den Krankenwagen rufen oder selbst dafür sorgen, dass derjenige in einer Klinik gut aufgehoben und geschützt wird.

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